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Evangelische Christuskirche Bingen
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Christuskirche

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Architektur
Wenn sich eine Gruppe von Menschen versammeln will, benötigt sie einen Raum oder ein Haus. Einst versammelte sich die christliche Gemeinde "hin und her in den Häusern". (Apg. 2, 46) Als die Gemeinden größer wurden, genügten die kleinen Räume nicht mehr. Man baute "Häuser, die dem Herrn (Jesus Christus) gehören", griechisch kyriake, was abgeleitet ist von dem Wort kyrios, Herr; daher auch die Bezeichnung Kirche. Auch die Büdesheimer Gemeinde, in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg von 35 auf weit über 1000 Gemeindeglieder gewachsen, brauchte einen Versammlungsraum: zum Predigen und Hören, Singen und Beten, für Taufund Abendmahlsgottesdienste, eine Kirche, die zum Ausdruck bringt: "Bei Jesus Christus sind wir geborgen in Zeit und Ewigkeit".
So entstand in Bingen-Büdesheim eine moderne Kirche mit den Ausdruckmitteln und dem Empfinden unserer Zeit gebaut, ohne sich dadurch völlig von der Tradition zu lösen.
Die Architektur: Eines der Kennzeichen, die dieser Kirche das Merkmal "modern" eingebracht haben, ist die Form des gerichteten Zentralbaus, in dem, anders als in den Langschiffkirchen der Umgebung, eine Trennung zwischen Altarraum und Gemeinde weitgehend vermieden ist. Die erniedrigte und so dem Gottesdienstbesucher nähergebrachte Kanzel, Altar und Taufstein sind in den Raum eingerückt. Die Gemeinde sitzt in drei angewinkelten Bankreihen, die durch zwei Gänge getrennt und zum Altar gewandt sind, um den auch das Abendmahl gefeiert wird. So entsteht ein Zusammengehörigkeitsgefühl, indem die Gemeinde nicht mehr in einer Kolonne zum Altar blickt, sondern auch einander erlebt und wahrnimmt. Die Empore für die Orgel liefert 30 Chorsängern Platz. Sie steht frei im Raum über der mittleren Bankreihe, so dass sich der Chor ebenfalls in der Gemeinde und nicht abseits hinten oder seitlich befindet.
Der Architekt, Gerhard Hauss, Heidelberg, wählte als Dachkonstruktion ein Zeltdach, das auf vier massiven Säulen ruht und an das Wort aus dem Johannesevangelium erinnert: "Das Wort ward Fleisch und zeltete unter uns". (Joh. l, 14). Die großen Öffnungen zwischen den Säulen sind nach einem Entwurf von Professor Klaus Arnold, Karlsruhe teilweise mit senkrechten Backsteinornamenten ausgestaltet, teilweise in leuchtenden Farben bleiverglast, und geben, zusammen mit Lichtritzen im unteren Teil, dem Kirchenraum ein warmes Licht. Der Boden der Kirche ist mit Stirnholz gepflastert, Bänke, Kanzel und Altar sind aus hellem Naturholz, der Taufstein ist aus Muschelkalk, das Dach mit Kupfer gedeckt; nirgends ist zeitgebundener Kunststoff verwendet.
Der Turm:
Der 25 Meter hohe Turm steht aus Gründen der Statik frei und bildet so, überragt von einem zweieinhalb Meter hohen, aus Schrottrahmen und Schrottflächen zusammengeschweißtem Kreuz mit Dornenkrone, die Mitte des Gemeindezentrums, um die sich Kirche, Kindergarten, Gemeindehaus und Pfarrhaus gruppieren.
Die Glocken:
Durch seine Höhe lässt der Turm den Schall der vier Glocken weithin hören; die Töne sind auf f', a', c", d" gestimmt. Die Glocken tragen die Inschriften "Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen" (Friedensglocke), "O Land, Land, Land höre des Herrn Wort"; (Verkündigungsglocke), "Herr, lehre uns beten" (Gebetsglocke) und "Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen" (Sterbeglocke). Die Glocken läuten zu jedem Gottesdienst am Sonntag und am Werktag, zu Taufe, Trauung und Beerdigung, am Samstag zur Erinnerung an den Sonntag, in dessen Mittelpunkt der Gottesdienst steht, und kündigen an, dass Gott mit uns reden will, laden auf diese Weise zum Gottesdienst ein. Die Friedensglocke läutet täglich um 12 Uhr und mahnt: "Vergiss das Gebet für den Frieden nicht".
Die Portale:
Die beiden Portale der Kirche, Kupferarbeiten des 1975 in Köln verstorbenen Künstlers Günter Lossow, zeigen deutlich biblische Themen. Das linke Portal erinnert an die Sintflutgeschichte (1. Mose 6-9), das rechte stellt eine Szene aus Jesu Gleichnis vom großen Abendmahl dar (Luk. 14, 16-24).
Bei der Sintflut wurden Noah und seine Familie in der großen Arche gerettet. Auch die gegenwärtige Menschheit ist bedroht und bedarf der Rettung. Die Fluten steigen höher und höher. Wie lange wird unsere Erde noch bewohnbar sein? Angesichts der drohenden Katastrophe gilt noch immer die Zusage Gottes: "Ich will hinfort nicht mehr schlagen alles, was da lebt." Er will nicht den Untergang der Menschheit. "Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt; der soll das Zeichen des Bundes sein zwischen mir und der Erde." Unter der Verheißung, durch den Bogen versinnbildlicht, schwimmt die Arche, in der sich die Glaubenden in aller Gefahr bewahrt und geborgen wissen. Neues Leben - der Ölzweig im Schnabel der Taube - kommt auf sie zu und ist Anlass zu Hoffnung und Freude. Wer durch die Kirchentür eingeht, begibt sich in "das Schiff, das sich Gemeinde nennt", den Ort der Geborgenheit und der Hoffnung.
Auf dem rechten Portal sehen wir den Herrn des Gleichnisses, der zu seinem Tisch geladen hat. Etliche schließen sich selber aus. Sie haben keine Zeit. Sie bleiben am Rand, im Abseits. Sie sind in sich selbst verschlossen. Dafür bringt der Bote die große Schar der Schwachen, der Leidenden, der Außenseiter. Sie haben ein weit geöffnetes Ohr für die einladende Stimme des Rufers. Ihre Gesichter verraten große Erwartung. Das gemeinsame Hören auf die Einladung "Kommt, denn es ist alles bereit"; fügt sie zu einer Gemeinschaft zusammen, die wie in einem gewaltigen Strom der Aufforderung Folge leistet. Die Gemeinde, die durch dieses Portal die Kirche betritt, schließt sich ein in die Schar derer, die sich aus allem Tun und Leiden ihres Lebens zum Tisch des Herrn rufen lassen.